Rezension: Zungenküsse mit Hyänen | Else Buschheuer



Michel "Meikel" - 33 Jahre, Jungfau, Loser sondergleichen. Von seiner Mutter dem wahren Leben vorenthalten, hütete er abends das Sofa und schaute mit ihr Filme. Bis das Leben ihn doch einholt und er beschließt, mit einer Tupperdose voller Bohneneintopf unterm Arm und mit 1000 Euro in der Hosentasche (geklaut aus Mutters Kopfkissen) Hals über Kopf abzuhauen. Er landet in der Großstadt Rizz, in der sein Onkel Big Ben Boss des "Mittagskuriers" ist und er beschließt, bei ihm für einen Redaktionsjob anzuheuern. Eine Wohnung hat er schnell gefunden. Als er seinem Onkel erzählt, dass er in der Wohnung der kürzlich verstorbenen "roten Müllerin" lebt, einer exzessiven Schauspielerin, deren mysteriöser Tod noch nicht aufgeklärt ist, stellt dieser ihn auch prompt ein und Michael soll nun eine Exclusivstory zur wahrscheinlich hübschesten Leiche von Rizz schreiben. Er taucht ein in das ausschweifende Leben der Müllerin und wird nach und nach auch Teil ihres Lebens. Er ist fast schon besessen von ihr, lernt ihre Freunde und Feinde kennen und versinkt im unerhört frivolen Leben der Großstadt und schließt einen Pakt mit dem Teufel ... ähm, Müller. Wird er vollkommen untergehen oder wird dies die Story seines Lebens werden? Wird die rote Müllerin ihn als Mann wieder auferstehen lassen?

Als ich kürzlich las, dass es ein neues Buch von Else Buschheuer geben soll, zögerte ich nicht lange und beschloss umgehend: das will ich lesen! Zumal mich der sehr ausgefallene Titel und die Leseprobe dazu sehr neugierig machten. Ich habe vor einigen Jahren (es dürfte sicher schon 8-10 Jahre her sein) "Ruf.Mich.An" gelesen und dieses Buch steht immer noch in meinem Regal, weil es mir damals wirklich gut gefallen hatte. Es erschienen wohl noch weitere Romane der Autorin danach, aber ich verlor es doch aus den Augen - bis ich eben jetzt auf "Zungenküsse mit Hyänen" aufmerksam wurde.

Wer Else Buschheuer kennt, der weiß, die Autorin schreibt sehr gradlinig, sehr authentisch und mit einer gehörigen Portion Sarkasmus. Sie gönnt ihren Protagonisten und auch der ganzen Thematik einen teils bissigen, teils trockenen Humor, der dem Buch das gewissen Etwas gibt und auch mich immer wieder schmunzeln lies. Das Sozialleben wird mit einem Augenzwinkern auf die Schippe genommen, es treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander, die aus den unterschiedlichsten Schichten stammen, unterschiedliche Präferenzen haben und eigentlich gar nicht so recht zusammenpassen wollen. Aber doch haben sie im tiefen Inneren alle ein Grundbedürfnis, egal ob Arm, ob reich, ob hetero oder schwul, ob hübsch oder hässlich, Muttersöhnchen oder Geschäftsmann - die Gier nach Macht, Anerkennung und nach Freiheit steckt doch bis zu einem gewissen Grade in jedem - bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Else Buschheuer spart nicht an kleinen gesellschaftskritischen Sticheleien und schraubt ihre Protagonisten oft auf die ureigensten Instinkte zurück. Lasterhafter Sex, Macht , Geld - in der knallharten Geschäftswelt muss man eben "Zungenküsse mit Hyänen" tauschen... oder man geht unter im Großstadtdschungel.

Else Buschheuer führt den Leser geradewegs und unbarmherzig in einen Dschungel voller schräger Figuren, voller Exzesse, frivoler Ausschweifungen und zügelloser Fantasie. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und ihr kriminologisch angehauchter Roman strotzt nur so vor knochentrockener und doch unglaublich humorvoller Ehrlichkeit. Hier wird nicht auf Etikette geachtet, sondern man taucht schonungslos in die Gedanken und Taten der Protagonisten ein. "Schenial!!!"

Die Charaktere bekamen Leben eingehaucht und ein jeder von Ihnen seinen eigenen Stempel aufgedrückt. "Klarhabbisch" trat zum Beispiel nur im Hintergrund auf und doch amüsierte er mich köstlich. Big Ben oder Müller, der Schwule David, Frau Puhvogel, Griltli mit ihren Krücken, die frivole Kuki Bobito... Alles Unikate sondergleichen! Und doch schwebt über allen Meikels Mutter - die Frau, die "die Hosen anhat."

Kurz & gut - mein persönliches Fazit

Else Buschheuer's Schickeria-Burleske faszinierte, schockierte, amüsierte mich und es gab Momente, da dachte ich: "Habe ich das gerade tatsächlich gelesen?" - und doch kann / muss ich sagen, ich bin begeistert! Mich konnte die Autorin mit ihrem sehr skurrilen Werk in der Tat überzeugen und ich musste wirklich oft herzlich lachen über die schrägen Situationen und noch schrägeren Protagonisten. Unerhört, lasterhaft - und doch faszinierend!
"Zungenküsse mit Hyänen" ist kein Buch, dass man man eben so einfach empfehlen kann - oder auch nicht. Auf dieses Buch muss man sich einlassen können. Zu diesem Buch kann ich nur sagen: "Entweder man liebt es - oder man hasst es"  Ich fand es ... absolut "Schenial" :-)

© Rezension: 2013, Alexandra Zylenas

[alexandra]

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